Newsletter

Geschichte

„Es ist da, es macht Spaß – also lasst es uns tun!" – Francois Bon braucht nicht viele Worte, um zu beschreiben, was ihn am Speedflying fasziniert. Seit dem Winter 05/06 ist Speedflying sein Lebensinhalt, und den jungen Sport bekanntzumachen, seine Mission. Als bekanntester Protagonist des verrückten französischen Wintersports tingelt der junge Franzose, der früher als Gleitschirm-Fluglehrer und -Testpilot arbeitete, durch Europas Skigebiete und zeigt anderen Flug- und Skilehrern, wie man mit Ski an den Füßen und einem kleinen Spezial-Gleitschirm über dem Kopf heiße Ritte über Pisten und Tiefschneehänge hinlegt. Francois` Terminkalender ist voll, denn egal ob in Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland oder Österreich: Der Ruf des Sports eilt ihm voraus wie ein Lauffeuer und seine Expertise ist gefragt. Sogar in Fernsehshows trat er bereits auf.

Dabei ist Speedflying eigentlich gar nicht neu. Denn in vielen großen Skigebieten rund um Francois' Heimatort Bourg St. Maurice wie Tignes und Les Arcs wurden bereits in den Achtziger Jahren Fallschirmspringer gesichtet, die sich - anstatt aus Flugzeugen zu springen - im Winter einen Spaß daraus machten, mit Fallschirmen in rasantem Tempo die Pisten hinunter zu düsen. Den Auftrieb ihrer Schirme nutzten sie dabei für weiche Landungen nach Sprüngen über Kuppen und Hindernisse. Ihren Zeitvertreib nannten sie schlicht „Skifliegen".

Doch im Winter 05/06 nahm die Sache im wahrsten Sinne des Wortes Dynamik an, als mehrere Gleitschirm-Hersteller das Potenzial des Sports erkannten. Ziel der Marken wie „Gin Gliders", „JN" oder „Nervures" war, ein vollständig neues Sportgerät für eine ultimative Wintersportart zu entwickeln: Speedflying – eine Synthese aus Freeride- und Freestyle-Skifahren, Snowkiten, Fallschirmspringen und Gleitschirmfliegen - war geboren.

Nach rund vier Monaten Entwicklungszeit kamen im März 2006 die ersten Speedflying-Schirme auf den Markt – etwas zu spät, um am Ende der Wintersaison 05/06 noch durchschlagende wirtschaftliche Erfolge auf den Pisten und in den Skigeschäften zu landen, doch früh genug, um erstes Interesse bei Ski- und Berg-Freaks zu wecken.

Fliegen wie Sven Hannawald

Obwohl der Winter 06/07 verzögert beginnt und wohl als der schneeärmste des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen wird, ist Speedflying zur Jahreswende in aller Wende in aller Munde. Denn mit den mittlerweile in Serie produzierten Schirme wie dem „Nano" von Gin Gliders, dem „Bullet" von Ozone oder dem „Hellracer" von JN verlieren nicht nur erfahrene Gleitschirmflieger und furchtlose Extremskifahrer den Boden unter den Füßen. Auch gewöhnliche Skifahrer sind begeistert über die wohl einfachste Art, mit Ski unter den Füßen schwerelos über abgesperrte Pisten und Tiefschneehänge zu gleiten und zum ersten Mal aus eigener Kraft zu fliegen, wie Sven Hannawald. „Schon nach einem Nachmittag Training auf einer flachen Piste kann man völlig gefahrlos 100 Meter und weiter  schweben", schwärmt Peter Geg, der in Oberstdorf eine Flugschule für Gleitschirmflieger betreibt und nach den ersten eigenen Versuchen selbst vom Speedflying-Virus infiziert wurde.
Sein Ausbildungsprogramm hat er prompt erweitert: „Unsere ersten Kurse waren sofort ausgebucht, obwohl wir überhaupt keine Werbung dafür gemacht haben", lacht er. „Dieses Gefühl, wenn die Ski Fahrt aufnehmen und einen der Schirm schließlich sanft von der Piste hebt, hat eben eine magische Anziehungskraft."

Safety first

Davon, dass der neue Sport eine Menge Leute begeistern wird, war auch die Jury des „Brandnew Award" der Welt-Sportleitmesse ISPO überzeugt, die den JN Speedflyer Hellracer als innovativstes Sportgerät des Winters 06/07 auszeichnete.

Doch was ist Speedflying eigentlich genau? Genaugenommen ist Speedflying mehr mit dem Skifahren verwandt als mit Flugsportarten wie Gleitschirmfliegen oder Fallschirmspringen. Vom Snowkiten wiederum stammen Dynamik und die Möglichkeit radikaler Manöver im Schnee. Speedflying-Profis ziehen ihre Linien wie Extrem-Skifahrer durch unverspurten Tiefschnee. Dank der Auftriebskraft des Schirms springen sie über turmhohe Klippen, ohne Verletzungen zu riskieren.

Was in Videos gefährlich aussieht, kann natürlich auch ganz zahm ausgeübt werden. Anfänger erlernen Speedflying gefahrlos auf flachen Pisten, indem sie mit dem Schirm über dem Kopf zunächst einfache Kurven fahren und kleine Hindernisse als „Sprungbrett" nutzen. Während der Ausbildung werden Hangneigung, Schräglage und Geschwindigkeit immer weiter gesteigert – bis die Speedflying-Novizen schließlich auch steile Hänge mit abwechselnden Flug- und Carvingphasen sicher meistern.

Mit der Bremsleinenstellung „Hände hoch", düsen die Fahrer dann mit bis zu 70 km/h durch – und über - den Schnee. Geschwindigkeit und Dynamik hängen von der Größe des verwendeten Schirms ab: Zum Einsatz kommen Flächen zwischen 10 und 15 Quadratmeter. Zieht man die Bremsleinen herunter, verringert sich die Geschwindigkeit auf etwa 35 km/h,  während sich der Auftrieb gleichzeitig erhöht. „Der Gleitwinkel wächst dann von 1:1 auf etwa 1:3 – das heißt, dass der Pilot bei drei Meter Flugstrecke nur noch einen Meter Höhe verliert", erklärt Francois Bon. Dies kann der Fahrer nutzen, um sich auf Hindernissen und Bodenwellen „abzudrücken" und sanft davon zu schweben - oder zu „speeden". Die Dynamik einer scharfen Kurve lässt sich in eine mehrere hundert Meter lange Flugphase umsetzen.